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Istrien Geschichte und Kultur

Ein idealer Anfangspunkt für die Erforschung der Erb- und Kulturreichtümer der lebendigen istrischen Halbinsel sind die sichtbaren Spuren der Jahrhunderte in zahlreichen geschichtlichen Lokalitäten auf der Küste und im Inneren Istriens. Aus der Altsteinzeit stammen erste Beweise über die Existenz der Urmenschen in Istrien. Das Alter der Funde aus der in der Nähe von Pula gelegener Höhle Šandalja wird auf zwei Millionen bis 800 Tausend Jahre geschätzt. In der Romuald- Höhle im Limer Kanal und Šandalja befinden sich Funde aus dem jüngeren Paläolithikum (4000-10000 Jahre). Im 2. Jh. v. Chr. wurden oberhalb der Täler auf Hügelspitzen typisch istrische Hügelsiedlungen, die sog. Gradina, gebaut. In dieser Zeit entstanden mehr als 400 Hügelsiedlungen, die von einer dichten Besiedlung in der Bronze- und Eisenzeit zeugen. Angehörige des illyrischen Stammes, die Histren, nach denen Istrien seinen Namen bekam, bewohnten im 2.Jh.v.Chr. die istrischen Halbinsel. Von Geschichtswissenschaftlern werden sie meistens im Kontext der Kriege gegen die Römer, ohne welche die geschichtlichen Umstände dieser Zeit nicht nennenswert sind, erwähnt. In Monkodonja- unweit von Rovinj, Picugi- in der Nähe von Poreč und Nezakcij in der Nähe von Pula, befinden sich drei gut bewahrte Hügelsiedlungen aus dieser Zeit. Diese letzte ist als Hauptstadt der Histren bekannt, den ersten Bewohner Istriens, von dessen Existenz einige schriftliche Quellen datieren. Den ersten histrischen Krieg 221.v.Chr. erwähnte in seinen Schriften Cassius Dio Cocceianus (Dion Kasije) . Dank Titus Livius, dem römischen Historiker, gibt es viel mehr schriftliche Daten über den, einige Jahrzehnte nach dem ersten, zweiten Krieg der Römer gegen die Histren mit dem Ziel der Unterdrückung und Eroberung von Istrien. Die Histren waren in Verwandtengemeinschaften organisiert, beschäftigten sich mit Handel, waren Jäger, Ackerbauer und Viehzüchter. In Werken römischer Schriftsteller wurden sie sogar als Seeräuber erwähnt. Nach diesen im Geschichtsüberblick erwähnten Anfängen, folgten noch 20 lange Jahrhunderte, zahlreiche Ereignisse und Herrscher, wovon unzählige Spuren und Fundstätten auf der ganzen Halbinsel zeugen. Von der Römer- bis zur heutigen Zeit sind mehr als 2000 Jahre vergangen. Viele waren hier, Goten, Byzantiner, Slawen, Avaren, Slowenen, Kroaten, Franken, Aquilejer. Zu erwähnen sind auch die zweite Herrschaft der Veneter, die der Habsburger und Österreicher, der Erste und Zweite Weltkrieg, die faschistische Okkupierung und letzt endlich das Leben in der unabhängigen Republik Kroatien ab 1990.
Geschichte

2. Jahrtausend v. Chr.

Am Anfang der Bronzezeit verlassen die Einwohner des heutigen Istriens ihre Schutzhöhlen und errichten die ersten befestigten Siedlungen auf Hügeln, von denen sie sich erfolgreich verteidigen konnten.

11. Jahrhundert v. Chr.

Istrien wird von den Histriern, einem antiken Volksstamm besiedelt, nach dem es auch benannt wird. Die Histrier sind bekannt als Jäger, Fischer, Viehzüchter, Landwirte und Händler.

178 und 177 v. Chr.

Die Histrier werden von den Römern unterworfen, die die Herrschaft über das Gebiet der heutigen istrischen Halbinsel übernehmen.

489

Nach dem Zerfall des Römischen Reiches gerät Istrien unter die Herrschaft der Ostrogoten.

539

Istrien wird vom Byzantynischen Reich erobert, das die Euphrasius-Basilika mit ihren weltberühmten Mosaiken errichten lässt.

Beginn des 7. Jh.

Awarisch-slawische Angriffe und Besiedlung von Slawen. Die Städte im Hinterland werden zerstört und verlassen, während sich die Küste den Angriffen widersetzen kann.

778

Istrien wird Teil des Fränkischen Reichs unter Führung von Karl dem Großen. Karl der Große erkennt die die Gewalt des Patriarchen von Aquileia an.

10. und 11. Jh.

Istrien wird im X. und XI. Jh. von deutschen Feudalfamilien beherrscht. Istrien ist eine gesonderte Markgrafschaft, mit der die deutschen Kaiser verschiedene Adelsfamilien belehnen.

1145

Pula, Kopar und Izola werden von Venedig besiegt und müssen sich dem venezianischen Dogen zur Treue verpflichten.

13. Jh.

Die Gewalt des Patriarchen ist geschwächt und die istrischen Städte übergeben sich eine nach der anderen an Venedig: Poreč 1267, Umag 1269, Novigrad 1270, Sveti Lovreč 1271, Motovun 1278, Kopar 1279, Piran und Rovinj 1283. Venedig übernimmt allmählich die Herrschaft über den ganzen westlichen Küstenstreifen von Istrien und dem Gebiet bis Plomin an der östlichen Küste der Halbinsel.

1325

Verfassung der ersten kroatischen Urkunde in glagolitischer Schrift, des Istrischen Gesetzbuchs, eines Protokolls über die Abgrenzung von Gemeinden in Zentral- und Südostistrien.

1797

Mit dem Untergang der Venezianischen Republik fällt Istrien unter die Herrschaft von Napoleon. Aber Napoleon übergibt Venedig zusammen mit dem venezianischen Teil Istriens und Dalmatiens an Österreich im Tausch für die Lombardei und die Niederlande.

1805

Napoleon erobert erneut das ehemalige venezianische Istrien.

1809

Das gesamte istrische Gebiet wird an Napoleons illyrische Provinzen angeschlossen.

1814

Istrien wird als gesonderte Territorialeinheit mit der Hauptstadt Triest Teil der Österreich-Ungarischen Monarchie; 1825 wird Pazin zur Hauptstadt ernannt.

1866

Pula wird zum wichtigsten Hafen der österreichischen kaiserlichen Marine.

Zweite Hälfte des 19. Jh.

Kampf der kroatischen und slowenischen Bevölkerung um die nationale und politische Gleichberechtigung in Bezug auf die italienische Bevölkerung. Anführer des Kampfes um die kroatischen Rechte in Istrien ist der Bischof Juraj Dobrila. Sein Konzept ist, das Volk im Bereich der nationalen Selbstverteidigung zu stärken, die Volkssprache zu pflegen sowie die Tradition zu wahren, den wirtschaftlichen und politischen Fortschritt voranzutreiben, neue zivilisatorische und kulturelle Errungenschaften anzunehmen sowie einen Weg zu finden, um das Volk vom Elend zu befreien. In einem seiner ersten Anträge im Istrischen Parlament in Poreč fordert er die Einführung der kroatischen Sprache als zweiter Amtssprache neben der italienischen Sprache.

1. Weltkrieg

Es kommt zur Unterbrechung der nationalen Auseinandersetzungen, und Italien zeigt ein klares Interesse für die östliche Adriaküste. 1915 wird der geheime Londoner Vertrag geschlossen, mit dem Südtirol, ein Teil Dalmatiens, Istrien mit Triest und Gorizia Italien versprochen werden.

1920

Das Königreich Jugoslawien überlässt Istrien an Italien.

Zeitraum zwischen zwei Weltkriegen

Die italienische Herrschaft in Istrien beendet jede Form des kroatischen und slowenischen öffentlichen Lebens: Schulen und Kultureinrichtungen werden geschlossen, es kommt zur Italianisierung kroatischer Namen. Ferner kommt es zum massenhaften Exodus der kroatischen Bevölkerung ins Königreich Jugoslawien.

2. Weltkrieg

Nach der Kapitulation Italiens 1943 kommt es zum allgemeinen Volksaufstand in Istrien. Die faschistische Herrschaft wird vertrieben, und der Volksbefreiungsausschuss von Istrien verkündet die Befreiung Istriens und den Anschluss an Kroatien im neuen Jugoslawien. Im Rahmen der letzten Einsätze zur Befreiung des gesamten südslawischen Raums wird Istrien am 9. Mai 1945 befreit. Nach der Befreiung kommt es zum Exodus eines Teils der autochthonen italienischen Bevölkerung.

Zeitraum nach dem 2. Weltkrieg

Die istrische Halbinsel wird durch das Belgrader Abkommen 1945 in zwei Zonen geteilt – Zone A und Zone B. Die Zone A wird unter die angloamerikanische und die Zone B unter jugoslawische militärische Verwaltung gestellt. Mit dem Friedensvertrag von Paris aus 1947 kommt Pula als Teil der Zone A zu Jugoslawien, während das Gebiet nördlich vom Fluss Mirna zum so genannten «Freien Territorium Triest» ernannt wird. Die endgültige Staatsgrenze zwischen den zwei Staaten wird durch den Vertrag von Osim am 10. November 1975 festgelegt.

1990

Infolge des Zerfalls von Jugoslawien, als Kroatien und Slowenien international als selbständige und unabhängige Staaten anerkannt werden, werden die Grenzen der Teilrepubliken zu Staatsgrenzen. Istrien ist Teil der Republik Kroatien und bildet eine der 20 kroatischen Gespanschaften.